Der Pokalsieg 1976 und der Pfeifentabak



Nachdem es zwei Jahre zuvor nicht geklappt hatte, wollten wir es dieses Mal endgültig wissen. Fest entschlossen fuhren wir am 26. Juni 1976 nach Frankfurt ins Waldstadion. Dort ging es nicht gegen die Eintracht, sondern gegen den 1. FC Kaiserslautern. Der HSV hatte das Endspiel des DFB-Pokals erreicht.

Das hatten wir 1974 schon einmal. Da spielten wir gegen die Frankfur- ter Eintracht und mussten uns erst nach Verlängerung 3:1 geschlagen geben. Entscheidend war wohl das 2:1 von Bernd Hölzenbein in der 95. Minute gewesen. Wenige Wochen zuvor war Deutschland mit eben diesem Hölzenbein Weltmeister geworden. Wir erinnern uns alle an sei- nen wunderschönen Flug in den Strafraum der Holländer, der uns in der 25. Minute des Endspiels wieder ins Spiel brachte. Den umstritte- nen Elfmeter verwandelte der Paule Breitner sicher zum 1:1.




Pokalenspiel 17. August 1974 HSV - Eintracht Frankfurt 2:3 n. V.   Eintritt 3 Mark (1,50 €). Im Düsseldorfer Rheinstadion hatte die Deutsche Nationalmannschaft auf den Tag genau drei Wochen zuvor auf ihrem Weg zur Weltmeisterschaft Jugoslawien mit 2:0 besiegt.



Ich habe das verlorene Pokalendspiel 1974 ganz schnell abgehakt und verdrängt. Ich erinnere mich nur noch an das relativ neue und für damalige Verhältnisse wirklich schöne Düsseldorfer Rheinstadion (wie der Name schon sagt, direkt am Rhein gelegen). Ich bin nie wieder dagewesen. (Das ist allerdings mehr die Schuld der Fortuna, die für uns HSVer, mit Ausnahme von Aleksandar Ristic, unserem ehemaligen Co-Trainer und Trainer, ja irgendwo in der Versenkung verschwunden ist.)

Dieses Mal sollte es also klappen mit dem Endspielsieg. Dabei hatte alles am seidenen Faden gehangen. Für das Halbfinale war uns nämlich Bayern München zugelost worden. Zum Glück ein Heimspiel. Block F, die Westkurve, das ganze Volksparkstadion schrien sich die Lunge aus dem Hals. Aber es half alles nichts. 2:2 nach Verlängerung und Wiederholungsspiel im noch fast neuen Münchener Olympiastadion. Ein Elfmeterschießen gab es damals noch nicht. Das hatte gerade noch gefehlt. Nach München. Das konnte eigentlich nicht gut gehen, gegen eine Mannschaft mit fünf Weltmeistern in ihren Reihen! Wir keinen einzigen. Breitner spielte inzwischen für Real Madrid. Bis zur 90. Minute konnten wir das 0:0 halten. Die Bayern waren bekannt dafür, in den letzten Minuten noch das Spiel zu entscheiden, nicht selten durch eines der berühmten Murmeltore von Gerd Müller. Doch dieses Mal kam alles anders - zum Glück. Kurt Eigl schoss den HSV in der allerletzten Minute erneut ins Endspiel.

Da sollte der 1. FC Kaiserslautern doch eigentlich keine Hürde mehr darstellen. Tat er auch nicht. Nach 37 Minuten stand es bereits 2:0 für uns. Diesen Vorsprung hielten die Mannen von Kuno Klötzer bis zum Schlusspfiff. Ob es diese 37. (2:0 Björnmose † 5. September 2006) oder aber die 22. Minute (1:0 Nogly) gewesen ist, weiß ich nicht mehr. Selbst an das Zustandekommen der Tore kann ich mich leider nicht erinnern. Was aber in einer dieser beiden Minuten passierte, war gut für mein ganzes Leben. Daran denke ich immer wieder gern und mit einem Schmunzeln zurück.

Links, direkt neben mir im Block der HSV-Fans, saß ein älterer Herr. Er hatte seine Packung Tabak geöffnet, um sich eine Pfeife zu stopfen. Wahrscheinlich, um seine Anspannung zu bekämpfen. Kennt ihr das, bei einem Endspiel der eigenen Mannschaft im Stadion zu sein und mitzuzittern? Für HSV-Fans gab es seit 1987 ja leider keine Gelegen- heit mehr dazu. Der Ausdruck mitzittern bringt es wirklich genau auf den Punkt. Es stimmt, man zittert zeitweilig am ganzen Körper. Wie im T-Shirt bei Minusgraden. Das kann man gar nicht kontrollieren. So spannend ist es, so sehr fiebert man mit.

Der Herr neben mir muss Linkshänder gewesen sein, jedenfalls nahm er die soeben geöffnete Tabackpackung und seine Pfeife in seine rechte Hand, als eines der HSV-Tore fiel. In dieser Sekunde vollführte er einen ansehnlichen Luftsprung. Wie alle um mich herum. Ein vegetativer Fan-Reflex, durch nichts zu unterdrücken, genau wie das Zittern. Das mit der Pfeife konnte er danach vergessen. Sein Tabak hatte als Konfetti mitgejubelt. Seine Packung war leer. Ich war übersät mit Tabak. Als 21-Jähriger der frühen 70er Jahre trug ich schön lange Haare. Noch am nächsten Tag sammelten sich die letzten Reste des Pokalendspiel nach dem Haarewaschen in der Badewanne.

Wenn ich heute an das Endspiel von 1976 denke, dann habe ich immer den süßen Honiggeruch des aromatisierten Tabaks in der Nase. Ein schöner Geruch, nach Pokalsieg.




 DFB-Pokalendspiel 26. Juni 1976:  Mannschaftsaufstellungen



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