Zuschauerchaos 1979 - Ausgangspunkt Westkurve





Der-Anfang-vom-Ende

Der Anfang vom Ende - Block E




Gequetschte-Fans

Gequetschte Fans ringen um ihr Leben




Ueberall-Krankenwagen

Das Ende - Wiederbelebungen auf Tartan




Siehe auch --->> 71 Verletzte und die schreckliche Meisterfeier



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Blick aus der Westkurve in die Vergangenheit



Ach, wie ist das schön!

Es ist zwar der Block E und nicht mein Block F, aber es ist wie früher. Es gibt ein HSV-Gefühl längst vergangener Zeit, von Kaltz, Keegan, Hrubesch, Buljan, Hidien, Wehmeyer... Es vermittelt einen Hauch von Meisterschaft. Jedes Mal, wenn ich dieses Foto sehe, muss ich unwillkürlich an das 5:1 gegen Real Madrid denken, das beste Spiel, das ich im Volksparkstadion je erleben durfte. Und es läuft mir ein Schauer über den Rücken. Genau wie am 23. April 1980.



Blick-von-der-Westkurve

Links die Haupttribüne, gegenüber die Ostkurve mit der Anfang der 70er-Jahre installierten Videotafel. Darunter der Gang, durch den die Mannschaften das Spielfeld betraten. Und rechts die nur spärlich besetzte Gegengerade. (Das Spiel gegen Real Madrid war natürlich ausverkauft.) Zu erkennen auch zwei der vier Flutlichtmasten. Am Spielfeldrand vor der Gegengeraden befanden sich die damals so genannten Auswechselbänke.



Obwohl der Schiedsrichter auch früher vor jedem Spiel die obligatorische Münze warf (die offizielle Seitenwahl), spielte unser HSV in jedem Spiel zuerst (in der ersten Halbzeit) auf das vor der Westkurve stehende Tor. Die Mannschaftskapitäne müssen sich immer schon vorher geeinigt haben. Vielleicht gab es auch eine inoffizielle Übereinkunft aller Vereine oder der Mannschaften, die es der jeweiligen Heimelf gestattete, immer zuerst auf ihre Fans zustürmen zu dürfen? (Ich kann heute nicht mehr jedes Heimspiel des HSV besuchen und weiß deshalb gar nicht, ob das heute noch so ist?)

Die Lautsprecheranlage, von der Ihr in Blickrichtung auf das Tor einen am Zaun montierten Teil erkennen könnt, war erbärmlich. Aber immer noch besser als die Lautsprecherboxen, die vor der Stadienrenovierung (für die WM 1974) vereinzelt auf die Laufbahn gestellt wurden. Deren Wattzahl reichte bei Westwind in der Regel nicht aus, die Ohren der weiter oben stehenden Westkurvenzuschauer zu erreichen.

Der Fußball erreichte damals die Herzen der HSV-Fans, vor allem in den Jahren 1976 bis 1983.




Siehe auch:

--->> Flutlicht und Schneegestöber
--->> Toilettendienst im Volksparkstadion
--->> An alle ehemaligen Besucher der Westkurve!
--->> Natürlich Volksparkstadion! Aber warum Block F?


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Toilettendienst im Volksparkstadion



Was würde ich nicht alles dafür geben, noch ein Mal ein Spiel im alten, ungemütlichen Volksparkstadion miterleben zu dürfen. Nur noch ein einziges Mal Westkurve Block F!

Ich würde jede noch so üble Widrigkeit in Kauf nehmen, würde jeden Top-Zuschlag zahlen und mich zwei Stunden beim scheußlichsten Schmuddelwetter ohne Schirm in den Regen stellen. (Der Regenschirm durfte früher nur dann aufgespannt werden, wenn den hinter einem stehenden Zuschauern dadurch nicht die freie Sicht aufs Spielfeld verdeckt wurde.) Ich würde einen Monat lang auf mein Bier verzichten und den Urlaub dieses Jahr ausfallen lassen. Ganz ehrlich! Ich schwöre!

Ich würde mich sogar freiwillig beim HSV zum Schneeräumen melden oder mich zum Ordnungsdienst verpflichten, der die Toiletten im alten Volksparkstadion 'betreut' hat. Früher, als unser Stadion noch stand, wär ich nicht im Traum auf diese Gedanken gekommen, schon gar nicht darauf, mich selbst zum Toilettendienst einzuteilen. Aber heute! Ja, so ändern sich die Zeiten.

Ich habe schon einmal die Telefonnummer herausgesucht. Wer kommt mit? Ich ruf jetzt an.



Ordnungskraefte

... ... ... Kein Anschluß unter dieser Nummer!



Es wäre auch zu schön gewesen. Ich habe wieder geträumt, vom Volksparkstadion und von meiner Westkurve.

Zur nüchternen Realität zurückgekehrt, muss ich gestehen, dass es mir schon reichen würde, wenn unsere heutige Spielstätte wieder Volksparkstadion heißen würde. Ja, das wäre schön. Wirklich schön!




Siehe auch:

--->> Flutlicht und Schneegestöber
--->> Blick aus der Westkurve in die Vergangenheit
--->> An alle ehemaligen Besucher der Westkurve!
--->> Natürlich Volksparkstadion! Aber warum Block F?


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... im 7. Himmel






HSV-im-Himmel







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Gute Noten nach Spielende - die Top Five



Hatte der HSV im Spiel noch eher durchwachsene Leistungen an den Tag gelegt, so zeigten sich die Spieler nach Spielende von ihrer besseren Seite.

Nicht alle wohlgemerkt. Reinhardt zum Beispiel gehörte zu denen, die sich im Laufschritt davonmachten und gar nicht schnell genug unter die Dusche kommen konnten. Schwamm drüber.

Ich möchte an dieser Stelle einmal diejenigen lobend erwähnen, die sich bis weit in die 'dritte Halbzeit' hinein die Finger wundschrieben und ein Autogramm nach dem anderen gaben.

Platz 5: Janathan Pitroipa verließ den grünen Rasen als Fünftletzter (siehe Foto im vorhergehenden Beitrag --->> Pitroipa, Chrisantus und der gute Zweck) erst nachdem er viele, viele Autogramme geschrieben hatte.




Kompany


Platz 4: Vincent Kompany hatte sich im Spiel nicht verausgabt. Er erfüllte fleißig Autogrammwünsche.




Aogo


Platz 3: Dennis Aogo schien das Autogrammegeben Spaß zu machen. Ob Trikots, Eintrittskarten, HSV-Cappies, alles wurde beschrieben.




Guerrero


Platz 2: Paolo Guerrero, unser peruanischer Nationalstürmer, zeigte sich unermüdlich und wurde nur ganz knapp auf Platz zwei verwiesen. Alle Achtung! Gute Leistungen im und nach dem Spiel!




HSV-in-Pinneberg


Eintrittskarte mit dem Autogramm von Mohamed Zidan




Platz 1: Mohamed Zidan! Hätte er im Spiel doch genauso geglänzt wie beim Autogrammeschreiben. Er konnte gar nicht wieder aufhören. Selbst als einer der Ordnungskräfte Zidan dazu bewegen wollte, endlich das Spielfeld zu verlassen, und seinem Ansinnen mit den Worten Nachdruck verlieh: "Der Mannschaftsbus wird bald abfahren!", schrieb Zidan seelenruhig weiter. Es wird ja gemunkelt, er fühle sich im Kreis seiner Mannschaftskollegen nicht wohl. Ob er deshalb so lange Autogramme schrieb? Den Fans jedenfalls hat es gefallen.




Siehe auch --->> Pitroipa, Chrisantus und der gute Zweck


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Pitroipa, Chrisantus und der gute Zweck



Im ersten Spiel der Saison 2008/09 trat der HSV gestern im wunderschön gelegenen Stadion des VFL Pinneberg gegen eine Kreisauswahl an.

Das Spiel begann wie das Wetter. Mies. Obwohl die Kreisauswahl keine Mittel hatte, ein eigenes Spiel aufzubauen und den Ball nie über mehr als zwei, drei Stationen und nur selten über die Mittellinie laufen ließ, spielte der HSV die ersten 35 Minuten mehr als enttäuschend.



HSV-im-Regen


Der HSV auswärts in ihren Heimtrikots, traditionell in roten Hosen und blauen Stutzen.


In der Abwehr nicht gefordert, im Mittelfeld zu drucklos und umständlich und im Sturm nur Guerrero in Normalform. Besonders Jarolim und Zidan - wie so häufig - viel zu lange am Ball. Jarolim mit Ballannahme und -weiterverarbeitung so lange beschäftigt, dass der Verdacht nahe lag, er warte jedes Mal darauf, gefoult zu werden (was im ganzen Spiel nur zwei Mal vorkam; aus dem ersten Freistoß resultierte in der 45 Spielminute das 2:0 durch Guerrero). Zidan immer wieder ohne Blick für den freien Mitspieler (Aogo, der sich defensiv nichts zu Schulden kommen ließ, gab es irgendwann auf, sich in den Angriff einzuschalten und auf links freizulaufen).

In Halbzeit zwei, nach etwa einer Stunde Spielzeit, wurde das Spiel des HSV endgültig zwingender, nachdem es kurz vor der Pause ein kleines Zwischenhoch gezeigt hatte. Das lag an Trainer Jol, der zuerst Pitroipa und dann Chrisantus einwechselte. Diese beiden allein waren das Eintrittsgeld wert, das der Kinderkrebshilfe zugute kam. Beide erfüllten sie ihre Teilzeitjobs auf sehenswerte Art und Weise. Sie geben den HSVern Anlass zu den schönsten Hoffnungen, auch wenn der gestrige Gegner natürlich kein Maßstab sein konnte.



Pitroipa


Pitroipa zeigte sich auf links ungemein schnell und trickreich. Für mich war er der überragende Akteur des Spiels. Weiter so!



Chrisantus mit leichten Stockfehlern aber in den wenigen Minuten, in denen er auf dem Feld stand, äußerst torgefährlich, abschlußstark und folgerichtig zweifacher Torschütze. Alle Achtung! Wer gesehen hat, wie schwer sich selbst erfahrene Bundesligaspieler gegen diese Amateure taten, der kann vor der Leistung des noch 17-jährigen Nigerianers nur den Hut ziehen! Mögen die gegnerischen Verteidiger auch etwas schwere Beine gehabt haben.

Pitroipa und Chrisantus gaben Zidan, Ben-Hatira, Putsilo und Co. Anschauungsunterricht.

Da mochte selbst die Sonne nicht mehr wegschauen und strahlte über das ganze Spielfeld. So wurde der Besuch des Spiels doch noch zu einer runden Sache. Es endete schließlich mit 6:0 für den HSV.




Siehe auch --->> Gute Noten nach Spielende - die Top Five


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Martin Jol und der Ball



Heute war erster offizieller Trainingstag der Saison 2008/09.

Die Nationalspieler des HSV hatten noch Urlaub. Trotzdem schienen sich am Vormittag auf dem grünen Rasen neben der Arena so viele Spieler zu tummeln wie selten zuvor. Es fiel mir schwer, sie auseinanderzuhalten, zumal sich alle einheitlich in Schwarz-Blau präsentierten und sich das Training, anders als unter Doll und Stevens, zunächst in gut 70 Meter Entfernung abspielte.



erstes-Training-1


Martin Jol hat in England unter Ausschluß der Öffentlichkeit trainiert, also hielt er die Trainingszuschauer auch in Hamburg erst einmal auf Abstand.



So dauerte es ein Weilchen, bis ich es bemerkt hatte: Mit Aogo, aus Freiburg zum HSV gekommen, war nur ein einziger neuer Spieler dabei, dafür aber ein noch nie gesehener, sehr umfangreicher Trainerstab. Wären die Masseure zugegen gewesen, sie hätten eine eigene Elf bilden können. Ihr Kapitän war der neue Chefcoach, Martin Jol.



erstes-Training-2


Wer sein Teleobjektiv mitgebracht hatte, konnte sich glücklich schätzen. Alle anderen sahen sich die ersten Trainingseinheiten aus der Ferne an. (Da hatten wir sogar früher vom Block F der alten Westkurve eine bessere Sicht aufs Geschehen.)



Was war anders? Viele Trainer, Distanz zu uns Zaungästen und - der Ball! Bekamen die Spieler diesen früher unter Happel und Magath frühestens nach 14 Tagen härtesten Konditionstrainings zu Gesicht, so stand er heute nach kurzen Auflockerungsübungen das ganze Training hindurch im Mittelpunkt. Und es war kein Medizinball. Sogar das Slalomstangen-Laufen mit Ball am Fuß, wie wir es alle von der Knabenmannschaft her kennen, wurde ausgiebig geübt.



erstes-Training-4


Dieser Fan hatte einen 'Ehrenplatz' und den besten Blick von allen.


Bei mir kam Hoffnung auf. One-Touch-Fußball à la Barcelona oder Arsenal, schnelles Überbrücken des Mittelfeldes, direktes Spiel in die Nahtstellen der gegnerischen Viererkette - wie es Spanien und Russland während der EM so mustergültig vorgeführt hatten. Und das alles beim HSV!?



erstes-Training-5


Einer kam dann aber doch ganz nah an mir vorbei und zeigte Erbarmen. Es war der Ball, der also auch für mich heute im Mittelpunkt stand.



Da muss aber noch mächtig geübt werden, das machte das anschließende Trainingsspielchen doch recht deutlich. Der große Trainerstab wird alle Hände und alle Füße voll zu tun haben. Viel Erfolg!





Siehe auch --->> Manni Kaltz und das Kopfballtraining


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Günter Netzer und die Freistoßzeremonie



Wenn der Günter Netzer einen Freistoß schoß, dann war das keine schnelle Nummer. War er selbst gefoult worden, dann sowieso nicht. Und Günter Netzer fiel schnell und oft. Der freie Fall gehörte genauso zu seinem Spiel wie die Freistoßshow.

Netzer nahm den Ball behutsam in beide Hände. Er musterte ihn, ging in die Hocke und drehte den Ball in seinen Händen, indem er die ihm abgewandte Seite des Balles nach oben drehte und diese Bewegung zwei, drei Mal wiederholte. Er legte den Ball sachte und fast liebevoll auf einen von ihm gewählten Punkt des grünen Rasens, wobei er sich die Grashalme mit Bedacht auszusuchen schien. Noch in der Hocke nahm er den Ball erneut nur wenige Millimeter auf, drehte ihn noch einmal auf dieselbe Weise und platzierte ihn gefühlvoll auf seine endgültige Position.

Netzer erhob sich nicht. Er blieb in der Hocke, stützte sich mit den Fingern der rechten Hand auf dem Rasen ab und schaute in Richtung Tor. So, als wolle er sich die angedachte Flugbahn des Balles schon einmal aus Sicht des Balles anschauen. Als wolle er mit dem Ball letzte Absprachen treffen. Die Spieler der gegnerischen Mannschaft verfolgten den Vorgang erwartungsvoll. Zehntausende im Stadion und Hunderttausende an den Fernsehgeräten konnten es kaum erwarten. Alle Augenpaare waren für zwei Minuten auf den Freistoßspezialisten der Liga gerichtet. Netzer als Zeremonienmeister.



Netzer-Freistoss

Günter Netzer - Deutscher Fußballer der Jahre 1972 und 1973


Ob Günter Netzer komplizierte Winkelberechnungen anstellte? Ob er Ball und Gegner hypnotisierte? Ob es ihm in diesen Augenblicken wirklich gelang, eine magische Kraft auszuüben? Immer dann, wenn das Flugobjekt auf eigentlich unmöglicher Bahn seinen Weg ins Tor fand, war man geneigt, daran zu glauben.

So auch am zweiten Spieltag der Saison 1970/71. Wir in Block F der Westkurve waren alles andere als begeistert. An jenem 22. August 1970 war Netzer der mit Abstand beste Akteur auf dem Platz. Beim 0:1 servierte er Jupp Heynckes einen Freistoß so genau auf den Fuß, dass dieser im Fünfmeterraum stehend nur noch einzuschieben brauchte. 0:2 hieß es dann in der 30. Minute nach einem von Netzer zelebrierten und direkt verwandelten Freistoß. Die Zeitung schrieb zwei Tage später:



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In den acht Spielzeiten zwischen 1969/70 und 1976/77 wurde Borussia Mönchengladbach 5 x Deutscher Meister. Nach den beiden Meistertiteln 1969/70 und 1970/71 sowie dem DFB-Pokalsieg 1973, in dem er sich selbst einwechselte und das legendäre Siegtor schoß, ging Netzer zu Real Madrid.



Ein von Zaczyk verwandelter Foulelfmeter und einer jener gefürchteten Kopfbälle von Uwe Seeler retteten dem HSV in der zweiten Halbzeit einen Punkt gegen den Deutschen Meister aus Gladbach.

Altbundestrainer Sepp Herberger hatte 'uns Uwe' vor dem Anpfiff den Goldenen Ball überreicht. Uwe war zum dritten Mal zum Fußballer des Jahres gewählt worden.

Star des Abends aber war Günter Netzer. Er hätte verdient gehabt, vor über 60.000 Zuschauern aufzuspielen. Da die Gegengerade für die WM 74 umgebaut wurde, war das Spiel mit 42.000 Zuschauern ausverkauft.





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Kaiser Franz für eine Mark und die Platzangst



Es war ein Mittwochabend gewesen. Der 20. Oktober 1965. Das Spiel begann um 20.00 Uhr. Ich war damals genau 12 Jahre 8 Monate und 2 Tage alt.

Ein für mich denkwürdiges Spiel begann. Es könnte das Spiel gewesen sein, in dem das Foto entstand, das Ihr oben im Kopf meiner Seite sehen könnt. (Nachtrag zum obigen Foto: Es entstand am 07. April 1966  HSV-Bayern München 1:2) Ich wurde Augenzeuge einer Fußballdemonstration. Man hatte sich viel erzählt von der Wunderelf aus München. Zusammen mit den Gladbacher Borussen spielten sie seit zwei Monaten in der Bundesliga. Beide Mannschaften sollten sich als beste Aufsteiger aller Zeiten erweisen. Die Gladbacher hatten wir einen Monat zuvor mit 5:0 geschlagen, aber dem heutigen Gegner eilte ein sagenumwogener Ruf voraus. 71.000 wollten den Aufsteiger sehen. Alle wurden sie Zeugen einer 0:4 Niederlage gegen den Neuling, gegen BAYERN MÜNCHEN!

Die Bayern spielten nicht nur erfolgreich, sondern auch wunderschön. Ich erinnere mich noch sehr genau. Allerdings weniger an die Details des Spiels, als vielmehr an das Verlassen des Stadions und an den Auftritt eines einzelnen Spielers.



Karte-Bayern

Eintrittskarte vom Spiel HSV-Bayern München 0:4 (0:2) am 20. Oktober 1965. Das Spiel begann um 20 Uhr und nicht um 16 Uhr, wie es auf der Eintrittskarte steht. Für Maier, Beckenbauer, Müller und Trainer Tschik Cajkovski († 28. Juli 1998) war es seit ihrem Aufstieg erst das neunte Bundesligaspiel.



Das Spiel war ausverkauft. Nach Spielende hatte niemand Interesse daran, länger als notwendig auszuharren, zu ernüchternd waren Spielverlauf und Ergebnis für die HSV-Anhänger gewesen. Statt dem größten Gedränge zu entgehen und noch einige Minuten zu warten, machten also auch wir uns umgehend auf den Weg. Es war kurz vor 22 Uhr und ich musste am nächsten Morgen früh zur Schule.

Die zwanzig Stufen hinauf waren noch kein Problem. Es ging nur langsam und zentimeterweise voran, aber es wurde zunehmend enger. Oben am Scheitelpunkt der Westkurve waren es nur wenige Meter bis zur Treppe, die steil nach unten führte, von der aber nichts zu sehen, allenfalls etwas zu erahnen war. Überall dicht gedrängt Köpfe und Menschenleiber.

Die Arme wurden mir an den Körper gepresst. Es schob von hinten, drückte von vorn und drängte von recht und links. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich wurde bewegt. Das war wahrlich nichts für Leute mit Platzangst. Und die kritische Treppe stand mir noch bevor. Einerseits wollte jeder kleine Tippelschritt wohl überlegt sein, andererseits hatte ich keinerlei Kontrolle über mein Fortkommen. Mal drückte es mich im Gewoge zwanzig Zentimeter nach hinten oder zur Seite, mal ganz plötzlich schnell und unerwartet einen halben Meter voran.

Würde ich die Treppen richtig erwischen? Ich konnte stolpern, mir den Knöchel verstauchen, umfallen konnte ich nicht. Dazu war ich zu eingekeilt. Angst hatte ich trotzdem. Ich hatte auch keine Lust, zu arg gegen das Treppengeländer gedrückt zu werden. Ich kann nicht mehr sagen, wie ich hinuntergekommen bin. Im Pulk, offenbar unversehrt und darüber heilfroh.

Ich besuchte noch viele Spiele des HSV gegen die Bayern. Denn ich hatte an diesem Abend einen Spieler gesehen, der herausragte und mein absoluter Lieblingsspieler wurde. Einen Spieler, den ich auf eine Stufe mit Pelé, Maradona und Zidane stelle: Franz Beckenbauer! Der Größte unter allen Spielern in 44 Jahren Bundesliga!

Ich war mit Haut und Haaren HSVer und ich werde es immer bleiben. Also waren mir die Bayern völlig unsympathisch. Aber der Beckenbauer, der stand für mich seit jenem Abend über allen und allem. Jenseits jeder Vereinszugehörigkeit.

Den Genuss, Beckenbauer spielen, ihn Fußball zelebrieren zu sehen, den habe ich mir all die Jahre nie nehmen lassen. Um so schöner, wenn die Eintrittskarte, wie an diesem Abend, nur eine Mark, also umgerechnet 50 Cent, kostete.







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Westkurve Blog F

Volksparkstadion Hamburg


Willkommen


Moin, moin!

Ich schreibe für alle HSV-Fans, für alle Liebhaber des runden Leders.

Westkurve Blog F wird diejenigen, die sich bereits vor vielen Jahren verliebt haben, besonders ansprechen. Diejenigen, denen stille Erinnerung mehr bedeutet als aktuelle Sensation, denen das Gedenken an Ernst Happel und seine Zeit bei unserem HSV mehr gibt als der Hype um Ketelaer, Lauth oder Zidan.

Ich wünsche Euch in Westkurve Blog F eine schöne Zeit!




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Kommentare


Mexiko
In Mexiko folgte dann Uwe Seelers Rückwärtskopfball!...
wortmeldung - 14. Nov, 22:17

Fantastisch. Da wäre...
Fantastisch. Da wäre ich auch gerne dabei gewesen....
Ulrich Scheele - 14. Nov, 21:02








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